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3. März 2011

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Autoland Luxemburg:
Der Verkehr frisst seine Kinder
Die
Beziehungen
zwischen
Zeit und Raum
sind keineswegs konstant gegeben, sondern unterliegen dem
geschichtlichen Wandel, vor
allem durch die Entwicklung der Verkehrstechnologien und der
geografisch-demografischen Bevölkerungsstrukturen, sodann den
damit einhergehenden geänderten Handlungsoptionen und
Entscheidungen der Bevölkerung und den gleichsam Stein gewordenen
Infrastrukturentscheidungen der öffentlichen und privaten
Investoren.
Der täglich
zurückzulegende Personentransportweg zwischen Wohnungsort und
Arbeitsplatz ist hierbei
von zentraler Bedeutung. Denn einerseits ist er von ökonomischer
Bedeutung für den Einzelnen. Er ist entsprechend dessen
Anforderungen an Zeitaufwand und
Zuverlässigkeit meist unvermeidlich vorgegeben. Zudem wird er auch
häufig genutzt, wird er doch in der Regel mindestens 5 X 2 Male
die Woche
zurückgelegt.
Zwischen 1960
und
heute hat im Durchschnitt die Geschwindigkeit, womit ein Luxemburger an
seinen täglichen Arbeitsplatz gelangt, stark zugelegt: von 17,4
km/h hat sie sich verbessert auf 30,7 km/h und hat heutzutage 48,1
km/h erreicht. Diese Zunahme ist jedoch alles andere als
gleichmäßig zu verzeichnen. Diese
Durchschnittsgeschwindigkeit ist umso höher, je mehr die zu
durchlaufende Distanz sich erhöht. War diese Tendenz schon 1960
feststellbar, so ist sie heutzutage noch viel stärker
ausgeprägt: Bei einer Distanz von weniger als 6 km war die
Durchschnittsgeschwindigkeit im Jahre 1960 22,4 km/h; heute 23,2 km/h.
Bei einer Distanz über 31 km war 1960 die
Durchschnittsgeschwindigkeit 41,2 km/h, heute 66,7 km/h.
Zu erklären
ist
diese Differenz durch die zunehmende Verbreitung des Autoverkehrs und
zugleich den Ausbau der entsprechenden Straßeninfrastruktur. Man
mag lächeln
über
die
paar
Kilometer
an
Autobahnen
in Luxemburg, die
von der Zahl der Ausfahrten eher an eine Stadtautobahn erinnern -
in der Relation betrachtet sieht die Situation gewaltig anders aus: Im
Hinblick auf das Straßennetz nimmt Luxemburg
aber den 3. Platz in Europa ein; im Hinblick auf Autobahnkilometer pro
Einwohner nimmt Luxemburg den 1. Platz ein.
Zwischen 1960
und
heute hat sich der Motorisierungsgrad in Luxemburg um das 3,5fache
erhöht (Frankreich 2,5fach). In Luxemburg kommen heutzutage auf
1000 Einwohner 650 Kfz. Im Hinblick auf diese Statistik nimmt Luxemburg
den 1. Rangplatz in Europa ein (sofern Liechtenstein mit 750 Kfz/1000
Einwohnern außer Betracht gelassen wird). Dementsprechend hat der
Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehr in Luxemburg von 18% (1960)
auf 78% (2007) zugenommen und ist der Anteil des öffentlichen
Nahverkehrs von 59,8% auf 13% gesunken.
Im Zeitraum von 1960
bis 1981 hat die Durchschnittsgeschwindigkeit für kurze wie
für lange Distanzen sprunghaft und stetig zugenommen (+34,4%), was
in Zusammenhang steht mit der Erhöhung des Motorisierungsgrades
der Bevölkerung (Verdoppelung zwischen 1960 und 1981) und dem
Anwachsen des individuellen Autobesitzes (+250,8% zwischen 1960 und
1981).
Im Zeitraum von 1981
bis 1991 hat sich die Durchschnittsgeschwindigkeit für
kurze
Wegstrecken (unter 11 km) nur wenig erhöht (+4,25%), hingegen
für längere Strecken stärker (+17,6% für mehr als
11 km). Der Motorisierungsgrad hat sich nur noch leicht erhöht,
und
der Verkehrsanteil des privaten Kfz-Verkehrs hat seine
Sättigungsgrenze erreicht (75,8%). Die Zersiedelung des Landes und
geografische Aufteilung nach Funktionen in Sektionen des Wohnens, des
Arbeitens und des Kommerzes gingen hierbei Hand in Hand mit bedeutenden
Investitionen in den Straßenbau; auf diese sind
schließlich die verbliebenen Geschwindigkeitsgewinne
zurückzuführen. Das bedingt auch, dass solche umso
größer ausfallen, je länger die zurückgelegte
Strecke ist.
Der Zeitraum von 1991
bis heute ist gekennzeichnet mit einer starken Verminderung der
Geschwindigkeiten über die kurze Distanz (-19,6%, unter 6 km),
eine Stagnation der Geschwindigkeit für die mittlere und eine
leichte Verminderung für die längeren Distanzen (-5,4%,
über 26 km). Bei längeren Distanzen ist demnach eine Art
Jojo-Effekt feststellbar: mal schneller, mal langsamer, je nach der
jeweiligen Situation. Der letztere Zeitraum ist charakterisiert durch
das Erreichen eines Sättigungsgrades, was das Verkehrsnetz, den
Motorisierungsgrad sowie die "Multimotorisierung" angeht (mehrere PKW
pro Haushalt).
Das Auto hat auch die Topografie der
Luxemburger Landschaft verändert. Der Autofahrer benutzt die durch
den Geschwindigkeitsgewinn eingesparte Zeit dazu, sich selbst einen
größeren geografischen Umkreis zu erschließen, was
sich auch auf den Immobilienmarkt niederschlägt. Bemerkbar macht
sich dieser fundamentale Zusammenhang im geschichtlichen Ablauf der Ansiedlungen, die
von der Hauptstadt konzentrisch sich immer weiter nach außen, in
die Peripherie hin, verlagert und dabei stark den infrastrukturell
vorgegebenen Verkehrsachsen folgt.
Weitere Informationen
David Epstein: L'évolution
de
la
vitesse
de
déplacement
domicile-travail
au
Luxembourg de 1960
à
nos jours. Les Cahiers du CEPS/INSTEAD.
GEODE,
no.
2010-17,
September
2010.
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