Werden
Grenzgänger
schlechter
bezahlt?
Die Grenzgänger werden durch die
Luxemburger Wirtschaftsstatistik
einmal mehr
in ihrer Rolle als billige Reservearmee bestätigt. Es
lässt
sich
statistisch
unschwer
ein
Unterschied
nachweisen
in
der
Vergütung
zwischen
einheimischen
Arbeitskräften
und
der
Vergütung,
die die Grenzgänger
erhalten. Weniger einfach ist
jedoch die Frage zu
beantworten:
Worin
besteht
dieser
Unterschied?
Woher rührt er?
Als
Datenbasis
wurde
benutzt
die
amtlichen
Daten
(Bruttostundenlöhne),
wie
sie
der
Inspection
Générale
de
la
Sécurité
Sociale
(IGSS)
vorliegen. Darin sind alle
Beschäftigten erfasst, die in Luxemburg am 31. März 2001 eine
Beschäftigung
inne hatten.
Im
Bereich
des
unteren Lohnniveaus (8€ bis 15€) sind die Grenzgänger
anteilsmäßig
ganz klar stärker vertreten als die Einheimischen. 2001
erzielten
die
Einheimischen im Durchschnitt einen Stundenlohn von 15,48€; die
Grenzgänger 13,73€. Das heißt: Im Schnitt verdient der
Einheimische 11,3% mehr in
der Stunde. Noch
deutlicher
wird
indes der Unterschied, wenn man Grenzgänger
ausschließlich
mit ansässigen Luxemburgern vergleicht: Luxemburger verfügen
im Durchschnitt über einen
Bruttolohn von 17,39€; sie liegen damit 27% über dem
entsprechenden Durchschnittswert für Grenzgänger.
Nun
ist
dieser
Vergleich
der
Durchschnittszahlen
von
verschiedenen
Personengesamtheiten
alles
andere
als
einfach
zu
interpretieren.
Diese
Personengesamtheiten
unterscheiden
sich ja wohl nicht nur im
Hinblick auf
ihr Wohnland, sondern auch im Hinblick auf ihre Ausbildung, ihre
Produktivität
am Arbeitsplatz, ihre sprachlichen und sonstigen Kompetenzen. Leider
liefern die amtlich verfügbaren Datenbanken zu diesen Fragen nur
wenig
aussagekräftiges Material.
Möglicherweise
verlangen
Grenzgänger
einfach
weniger
als
die
Einheimischen,
weil
sie
ihre
Gehaltsvorstellung
an
den
vermutlich
vergleichsweise niedrigeren
Lohn- und Lebenshaltungskosten in ihrer
Wohnregion orientieren.
Die
Arbeitgeber
bevorzugen
für
die
meisten
Jobs
natürlich
Grenzgänger,
die
mit
brutto
weniger
als
in
der
Heimat
zufrieden sind, solange wie sie netto
noch ein
wenig über ihrem Niveau ihres Wohnlandes liegen.
Vielleicht
haben
Grenzgänger
aber
auch
einfach
weniger
Verhandlungsmacht
und
–kompetenz,
weil
sie
sich
nicht
auskennen
und
sich leichter an ihren
Arbeitsplätzen durch willigere Arbeitssuchende ersetzen lassen.
Indes
haben
die
meisten
Grenzgänger
einen
längeren
Anfahrtsweg
zum
Arbeitsplatz; diese höheren
Kosten sollten sich eigentlich in einer Gehaltsforderung
niederschlagen, die entsprechend höher liegt.
Quelle:
Jacques
Brosius: Les
écarts
de
taux
de
salaire
entre salariés transfrontaliers
et salariés résidant au Luxembourg. Cahiers
PSELL Nr. 146, 2005.
Jacques
Brosius: La
différence
de
demandes
salariales
comme
source des écarts
de taux de salaire entre frontaliers et résidants luxembourgeois.
Cahiers
PSELL
Nr.
147,
2005.
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